– Über ein bemerkenswertes Projekt im indischen Pune –

Wir möchten euch heute die School of Fashion Technology in Pune (Indien) mit ihrem Upcycling Workshop vorstellen. Interessantes Thema, gerade weil ein großer Teil der Produktion für unsere Klamotten in Indien stattfindet.

Und warum nicht dort ansetzen, wo sich ein Umdenken direkt auf die Produktion auswirken kann?Klamotten
Das bevölkerungsreiche Land ist unmittelbar betroffen, wenn es um Massenproduktion, harte Produktionsbedingungen und daraus resultierende Umweltschäden geht. In den zurückliegenden 20 Jahren haben sich die Arbeitsbedingungen auf dem Subkontinent rapide verschlechtert und der unkontrollierte Gebrauch von Chemie in der Textilherstellung macht sich nicht nur beim Gesundheitszustand der Arbeiter/innen bemerkbar, sondern auch bei der der Wasser- und Bodenqualität. Es ist daher von besonderer Bedeutung, bei den Studenten der einschlägigen Fachrichtungen ein Bewusstsein zu entwickeln und diesbezügliche Kreativität zu fördern.

"India being a major textile and fashion producer at the level of organized and unorganized sector, needs to take serious cognizance as we have observed and are observing a serious impact of environmental/social hazards due to a lack of education in the area of environmental impact and social responsibilities." School of Fashion Technology

Geweckt wurde unser Interesse an diesem speziellen Workshop durchTingDing_AmiShortsShirtTopKleid Philippe Wehrhahn. Er betreibt in Berlin das Label Ting Ding (mehr dazu in unserer Rubrik "10 Fragen an…").
Neben der Arbeit an seinem Label ist Philippe als Dozent an der School of Fashion Technology in Pune engagiert und gibt Upcycling-Workshops vor Ort. Der erste Kontakt auf dem Weg zu diesem Projekt kam 2011 im Rahmen des Deutschland-Indien-Jahres über das Goethe-Institut zustande.

Philippe erinnert sich, dass die Direktorin der Modeschule sofort großes Interesse für grüne Mode zeigte: "Das war kein Marketingtrick." Das mag gerade in Indien natürlich auch an der Relevanz des Themas liegen. Im Rahmen des Designstudiums an der School of Fashion Technology bietet Philippe ein einwöchiges Modul zum Thema Upcycling an, das er nun schon mehrere Jahre durchführt. In diesen Tagen kommt es zum Dialog mit den Studenten. Es wird in erster Linie der Schaffensprozess mit Upcycling als Basisgedanken gefördert. Hier spricht Philippe auch von Upcycling als Design Tool. Eine typische Aufgabe besteht darin, aus mitgebrachter und nicht mehr getragener Kleidung eine neue Klamotte zu machen und damit deren Lebenszyklus zu verlängern. Die Studenten sollen lernen, ohne Stift und Papier, nur mit dem Material zu designen und ihre Ideen sofort abzustecken und zu testen. Kunst am Körper sozusagen. "Ich will Studenten helfen, ihren eigenen Stil zu entwickeln." Das geht nur, wenn sie verschiedene Ansätze und Herangehensweisen kennenlernen. Zeichnen kann auch limitieren. Es ist schwierig, aus einer guten Zeichnung eine Klamotte zu machen, die ganau so aussieht. Was bei der Massenproduktion unerlässlich ist, da schablonenhaft und unter exakt gleichen Voraussetzungen produziert wrid, muss beim Upcycling nicht sein. Man stößt sogar auf ganz andere Probleme: Jeder Stoff fällt anders, es gibt nur eine begrenzte Menge an Stoff, es gibt Nähte und Falten…

Dass das System in Indien ein gänzlich anderes ist, das macht sich natürlich auch im Studium bemerkbar. Da muss man sich ein bisschen annähern. Philippes Workshop ist ohne Noten: "Design ist nicht bewertbar, das versuche ich auch zu vermittlen." Die Studenten sollen lernen, für ihr Design einzustehen, Kritik einzustecken und damit zu arbeiten. Außerdem sollen sie den nötigen Mut entwickeln, Regeln zu brechen.

Am letzten Tag des Workshops werden alle Upcycling-Modeschöpfungen in der Gruppe vorgestellt. Dabei geht es Philippe hauptsächlich darum, dass die Studenten lernen, professionell über Design zu sprechen und herauszuarbeiten, was ihnen gefällt.

Upcycling-Arbeiten der Studenten
Eine Auswahl der Ergebnisse seiner Studenten aus dem Workshop hat er mit uns geteilt und wir teilen sie wiederum gerne mit euch.

 

Wir finden diesen Ansatz bemerkenswert und er zeigt, dass man mit Intiative und Ideen zum Thema Nachhaltigkeit auf positive Resonanz stößt.
Uns hat die Neugier gepackt. Kennt ihr weitere außergewöhnliche Projekte oder Unis in Deutschland, die Studiengänge oder Workshops mit direktem Bezug zu nachhaltigen Themen anbieten? Wir freuen uns über euer Feedback!