Jetzt wird es kuschelig! In unserem heutigen Interview stellen wir Ute Ketelhake und ihr Label 'Second Life Rugs' vor. Diese wundervollen Unikate werden in Springe bei Hannover gefertigt.

1.  Stelle dich selbst kurz vor!

Wir stellen handgeknüpfte Teppiche und Wohnaccessoires aus Lana Cotta  im geschlossenen Kreislauf her. Ich habe das Unternehmen 2012 gegründet, und freue mich sehr, dass die Teppiche 2013 mit dem Bundespreis Eco-Design in der Kategorie Produkt ausgezeichnet wurden. Im Gegensatz zur industriellen Fertigung verkörpern die voluminösen Teppiche Wertigkeit durch ihre individuelle Gestaltung, hohen Materialeinsatz und einen fairen Entstehungsprozess. Komfort, Behaglichkeit und Verantwortung für die Umwelt lassen sie zu einem lebenslangen Begleiter werden, den der Kunde mit gestalten kann.


2. Nenne 3 Stichwörter die dein Produkt/Label am besten beschreiben

  • Handgeknüpfte Teppichunikate
  • hochwertig
  • cradle to cradle


3.  Wie ist es zu deinem Projekt gekommen?

Die industriell gefertigten Güter lassen auf Grund ihrer extremen Ordnung und Reizarmut  unsere Sinnlichkeit und unsere Beziehung zur materiellen Welt verkümmern. Durch die Massenproduktkultur und deren Produktionsbedingungen geraten wir leicht in einen Entfremdungsprozess. Dem möchte ich etwas entgegen setzen.


4. Was dient dir als Insprirationsquelle? 

Die Wollfransen werden in den vorhandenen Farben ähnlich wie in der Natur zu harmonischen Kompositionen zusammen gefügt, sodass keine Wiederholung, Regelmäßigkeit oder maschinelle Perfektion entstehen. Ansammlungen von Kieselsteinen in einem Flussbett, ein Waldboden oder ein Mohnfeld. Durch „geplanten Zufall“ entstehen „Landschaften“, die dazu anregen immer wieder hinzuschauen. In jedem Teppich wird ein „Relikt“ versteckt, z.B. ein interessanter Knopf, was an das „erste Leben“ des Materials erinnert, was sein Besitzer finden kann.


5. Warum überhaupt Recycling/ Upcycling?

 Bereits im Designstudium befasste ich mich mit Re- und Upcycling. In der Textilindustrie und als Hochschuldozentin entwickelte ich meine Ideen weiter. Für mich ist Gutes Design der Einklang von Gestaltung, Ökologie und nachhaltiger, sozial verträglicher Herstellung. Da der rasante Anstieg des weltweiten Verbrauchs textiler Faserstoffe weitreichende Konsequenzen für die Ressourcen hat und beim Zuschnitt von Bekleidung 6% der neuen Stoffe als Abfall anfallen, habe ich versucht ein cradle to cradle Produkt zu entwickeln, was den Wert des Materials erhöht und nicht vermindert. Oft wird mit den Begriffen Ressourcen schonen "frierend im Dunkeln sitzen" assoziiert. Mir ist es wichtig deutlich zu machen, dass Nachhaltigkeit nicht zwangsläufig etwas mit Verzicht oder Einschränkung zu tun haben muss.


6. Wie viel % Recycling steckt in deinem Produkt?

Die Teppiche bestehen zu 90 % aus Upcycling, nur Kett-und Schussmaterial ist kein Upcyclingmaterial. 75 % der Schritte im Herstellungsprozess der Wolle werden so eingespart. Energieverbrauch und Methananreicherung der Atmosphäre durch Schafhaltung werden vermieden und Tierleid durch „mulesing“[1] entfällt.


7.  Mit welchen Materialien arbeitest du?

Wir entwickeln das Polmaterial für unsere Teppiche in Kooperation mit betreuten Werkstätten, ressourcenschonend aus Stoffresten der Bekleidungsindustrie (engl.: Pre-Consumer-Waste: Materialien, die bei der Herstellung von Produkten anfallen und den Verbraucher nicht erreichen). Durch Waschen verdichtet, erhalten die Schurwollstoffe ein „zweites Leben“ als opulente, robuste Teppichfransen, die sich zu Strukturen formieren und ihre Effekte erst im Querschnitt offenbaren. Die GOTS-zertifizierte Wolle (Global Organic Textile Standard, ohne Pestizide und andere Zusatzstoffe) ist bereits gefärbt und gesponnen.


8. Kannst du von dem Projekt leben?

Nein, weil
1. die Kunden bei Upcycling Produkten oft einen niedrigeren Preis  erwarten, als bei Produkten aus neuen Rohstoffen, obwohl die Verarbeitung sehr viel aufwendiger ist.
2.  Greenwashing Produkte das Image von Upcycling Produkten verfälschen.
3.  wir  nicht als Professionelle Designer, sondern als DIY Bastler oder  Künstler wahrgenommen werden.
4. wir als Upcycling Label (Marke) noch nicht von der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen werden.
5. viele Konsumenten den Begriff “Upcycling” nicht kennen.

Bonusfragen

9. Was ist dein Ausgehtipp für deine Stadt?

Der Jazzclub in Hannover
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10.  Deine Top 3 Musiktitel?

Maceo Parker, "Let’s get it on"

Barbara Thompson, "Little Annie-Ooh"

Aretha Franklin,  "Think"

 


[1]Als Mulesing (engl.) bzw. Mulesierung (nach John W. H. Mules) wird das Entfernen der Haut rund um den Schwanz von Schafen ohne Schmerzausschaltung bezeichnet. Es ist ein in Australien und in Neuseeland gebräuchliches Verfahren, um einen Befall mit Fliegenmaden (Myiasis) zu verhindern.

 

 

 

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