Plastik hat sich in all unseren Lebensbereichen eingenistet und fühlt sich dort sehr wohl. Bunt und bequem – das sind die stärktsten Argumente für Markt und Konsumenten. Plastik kann günstig, schnell und in großen Stückzahlen produziert und somit auch günstig eingekauft werden. Gelockt über Farbe und Form, schnappt die Schnäppchen- oder Prestigefalle bei den Konsumenten zu. Auch wenn wir einen niedrigen Endpreis oft mit geringer Qualität des Produkts assoziieren, ist der Preis keinesfalls als signifikanter Indikator für Qualität zu sehen, folglich ist ein hoher Preis auch kein Garant für gute Qualität. Plastik findet sich in vielen unserer Alltagsprodukte, ob in teuren Markenpodukten oder Billigware. Man sollte eigentlich annehmnen, dass ein Material, dass uns im Alltag so oft begegnet, gesundheitlich unbedenklich ist. Leider ist dem nicht so. Problematisch sind die Kunststoffe PVC und PC, auf die wir im Folgenden näher eingehen wollen.

 

Was ist Plastik?

Wenn man es genau nimmt, ist Plastik der umgangssprachliche Begriff für Kunststoff. Bei Kunststoff handelt es sich um eine synthetisch hergestellte hochmolekulare Verbindung aus organischen Makromolekülen, die als Werkstoff relativ leicht, kostengünstig und vielseitig zu verarbeiten ist. In einem Makromolekül sind viele kleinere Molekülbausteine, sogenannte Monomere, zu sehr großen Molekülen, den Polymeren verknüpft. Viele Alltags- und Gebrauchsgegenstände sind aus Kunststoff: Plastiktüten, Plastikgeschirr, Kleidung und Schuhe aus Polyester.

 

Was macht Plastik gefährlich?

Wissenschaftler warnen, dass Chemikalien sich mit der Zeit aus dem Kunststoff lösen, da sie nicht fest gebunden sind, und in den menschlichen Körper gelangen. Einige Chemikalien können gravierende Gesundheitsschäden verursachen, von Allergien und Fettleibigkeit bis hin zu Unfruchtbarkeit, Krebs und Herzerkrankungen. Problematisch sind vor allem die Kunststoffe Polyvinylchlorid (PVC) und Polycarbonat (PC).  PVC, weil ein besonders hoher Anteil an Weichmachern enthalten ist und PC, weil es in Verbindung mit Bisphenol A hergestellt wird.

 

 Phthalate

 

  Bisphenol A (BPA)


Vor allem weiches PVC besteht zu großen Teilen aus Weichmachern (Phthalaten) und ist in vielen Alltagsprodukten zu finden: Bodenbeläge, Tischdecken, Tapeten, Duschvorhänge, Kinderspielzeug, Kunstleder, Lebensmittelverpackungen, … aber auch Lacke, Klebstoffe, Kosmetika, … enthalten die gefährlichen Weichmacher.
 
 


Bispenhol A ist eine der meistproduzierten Industriechemikalien und wird in erster Linie zur Herstellung des Kunststoffs Polycarbonat (PC) und bei der Produktion von Epoxidharzen verwendet. Sie ist in vielen Alltagsgegenständen zu finden: Plastikgeschirr, Kunststoffbecher, Babyschnuller, Babyfläschchen, Plastikspielzeug, Lebensmittelverpackungen, in der Innenbeschichtung von Getränke- und Konservendosen, …
 

  Konkrete Gefahren, die von Phthalaten ausgehen:

 

  Konkrete Gefahren, die von Bisphenol A ausgehen:


Bei Tierversuchen zeigten sich Phthalate als

  • krebserregend
  • entwicklungs- und fortpflanzungsgefährdend
 


Unabhängige wissenschaftliche Studien belegen, dass bereits kleinste Dosen in das menschliche Hormonsystem eingreifen und die Gesundheit gefährden können. So kann Bisphenol A z. B.:

  • die geschlechtsspezifische Gehirn- und Organentwicklung stören
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Endometriose, Brustrkrebs und Unfruchtbarkeit fördern
  • Verhaltensauffälligkeiten bei Kinder auslösen

  Wie gelangen Phthalate in unseren Körper?

 

  Wie gelangt Bisphenol A in unseren Körper?


Phthalate sind nicht fest im Kunststoff gebunden und können mit der Zeit entweichen. Verdampfte, ausgewaschene oder abgeriebene Chemikalien werden

  • durch die Atmung – z. B. über Ausdünstungen von Lacken oder Möbelbezügen
  • oral – z. B. über

     

    • Nahrung – z. B. durch Lebensmittel, die in phthalathaltigem Plastik verpackt waren
    • pharmazeutische Präparate – z. B. durch die Einnahme von Tabletten
    • das Ablecken von Gegenständen – z. B. Plastikbesteck oder andere Gegenstände, die von Kleinkindern entdeckt werden
  • über die Haut – z. B. durch Kosmetika oder andere Körperpflegeprodukte

in unseren Körper aufgenommen. Schon heute sind bei fast jedem Menschen Weichmacher im Blut und/oder Urin nachweisbar.
 

 


Bisphenol A ist nicht fest im Kunststoff gebunden und kann mit der Zeit entweichen. Insbesondere bei Hitze oder Wärme löst sich BPA aus dem jeweiligen Kunststoff. Schon heute ist es fast überall in unserer Umwelt nachweisbar, so z. B. in der Luft, in Staub, in Oberflächengewässern, im Meerwasser, im menschlichen Körper, … BPA wird hauptsächlich in Verbindung mit Lebensmitteln aufgenommen, die mit BPA-halitger Verpackung in Berührung gekommen sind.

 

Deshalb …

 … solltet ihr beim Einkauf genau auf das verwendete Material und die Inhaltsstoffe achten und phthalat- und BPA-haltige Produkte vermeiden. Im besten Fall auf natürliche Materialien zurückgreifen.
Die meisten Kunststoffe stellen ein Umweltproblem dar, da sie nicht vollständig abbaubar sind. Handelt es sich um einen Verbund von verschiedenen Kunststoffen, die nicht getrennt werden können, ist darüber hinaus noch nichtmal ein Recycling möglich. Somit türmen sich Plastikmüllberge, die keine weitere Verwendung finden.
Es dauert ca. 450 Jahre, bis eine Kunststoffflasche zersetzt wird. Dabei werden die Plastikpartikel immer kleiner und finden sich dann in Mikroform in Gewässern und Sedimenten wieder.

"In den Plastikstrudeln der Weltmeere findet man inzwischen um ein Vielfaches mehr Plastik als Plankton, und selbst in unserem Blut ist der Stoff angekommen." Werner Boote – Plastic Planet

Mit Nachhaltigkeit und einem bewussten Umgang mit der Umwelt hat das also wenig zu tun.

 

 

Quellen:
http://de.thefreedictionary.com/Kunststoff; http://www.seilnacht.com/Lexikon/k_eint.html; https://www.chemie.fu-berlin.de/chemistry/kunststoffe/polyethylen.htm; https://www.global2000.at/sites/global/files/G2-PLASTIK-themenbroschuere.pdf; https://www.zentrum-der-gesundheit.de/bpa-bisphenol-ia.html; http://www.umweltbundesamt.de/service/uba-fragen/verrottet-plastik-gar-nicht-nur-sehr-langsam
Titelbild: Pixabay  – Hans